Konzentrationslager Russlands 

 

 

Die Sowjet-Story

eine

Dokumentation in deutscher Sprache  

Was viele heute nicht wahrhaben wollen...

  

 

Sowjet - Story

https://www.youtube.com/watch?v=uCE8ufy8AgU    

 

Die Gulags

 

 

Nr. 457 · Dezember 2007 Seite 69

Im Gulag

Warlam Schalamow:

Durch den Schnee.

Erzählungen aus Kolyma,

Matthes&Seitz,

Berlin 2007, 256 Seiten,

22,80 Euro.

Wenn das kommunistische

System nicht Anfang

der 1990er-Jahre des vergangenen

Jahrhunderts

implodiert wäre, dann

hätten wir in diesen

Wochen des 90. Geburtstages

der Großen Sozialistischen

Oktoberrevolution

zu gedenken gehabt.

„Leider fehlt bei den

Historikern und erst recht

in unserer Gesellschaft die

Bereitschaft, mit dem

Gründungsmythos des

Jahres null zu brechen,

jenes Jahres, in dem alles

begonnen haben soll, das

Glück oder das Unglück

des russischen Volkes.“

So beurteilt ein russischer

Historiker den Streit über

die Darstellung von 1917.

Für die liberalen Historiker

war die Oktoberrevolution

ein Putsch, der

einer passiven Gesellschaft

mit Gewalt aufgezwungen

wurde. Er gilt

als Ergebnis der Verschwörung

einer Gruppe

disziplinierter und zynischer

Fanatiker, die in der

Gesellschaft keinen Rückhalt

hatten. Stéphane

Courtois meint in seinem

Schwarzbuch des Kommunismus,

dass sich viele

Führungskräfte des postsowjetischen

Russland

diese „liberale Vulgata“

zu eigen gemacht hätten.

Für die sowjetische Geschichtsforschung

war

klar: 1917 begann jener

unausweichliche Prozess,

der die Massen auf ihrem

Weg zur Freiheit zu Bolschewisten

gemacht habe.

Eine dritte Richtung der

Geschichtsforschung versucht

die Geschichte der

russischen Revolution zu

deideologisieren und

versteht den Aufstand von

1917 als eine Massenbewegung,

an der jedoch

nur eine kleine Zahl von

Aktivisten teilgenommen

habe.

Der Streit um die

wissenschaftliche Deutbarkeit

über die Oktoberrevolution

wird weitergehen,

es ist ein ebenso

interessanter wie notwendiger

Streit, durch

den wir lernen können,

uns gegen totalitäre

Versuchungen zu immunisieren.

Dabei ist es wichtig,

die Opferbilanz des

Kommunismus in Russland

und anderswo nicht

an den Rand der Erinnerung

rücken zu lassen. Es

sind ihm fünfundachtzig

bis hundert Millionen

Menschen weltweit zwischen

1917 und 1989 zum

Opfer gefallen, allein über

zwanzig Millionen

Menschen in der Sowjetunion,

die bei den zahlreichen

Säuberungen ums

Leben kamen. Zehntausende

wurden in den

Jahren nach der Oktoberrevolution

als Geiseln

oder ohne Urteil erschossen,

Hunderttausende

fanden den Tod, weil sie

sich den Bolschewisten

nicht beugten, zwischen

1918 und 1930 wurden

Zehntausende in den

Konzentrationslagern ermordet.

700 000 Menschen

wurden während der

Säuberungen von

1937/1938 liquidiert.

Das wichtigste Instrument

der KPdSU für diese

gigantischen Staatsverbrechen

war die Sicherheitspolizei

(Tscheka, GPU,

gelesen

Wolfgang Bergsdorf

NKWD beziehungsweise

KGB). Sie unterhielt in

allen Teilen des Landes,

vor allem aber im asiatischen

Osten, ein Netz von

Arbeitslagern (Gulag),

in denen Millionen Menschen

der Willkür ihrer

Bewacher ausgeliefert

waren. Ihnen haben die

Arbeiten Alexander

Solschenizyns ein literarisches

Denkmal gesetzt.

Vor allem sein zu Beginn

der 1970er-Jahre veröffentlichtes

Buch Archipel

Gulag hat außerhalb der

Sowjetunion einer Vielzahl

von kommunistischen

Sympathisanten die

Augen über die Herrschaft

der strukturellen

Gewalt in der Sowjetunion

geöffnet. Während

dieses in Deutschland

zwar auch breit rezipiert

wurde, hat seine Resonanz

in Frankreich dazu

geführt, dass Intellektuelle

wie Bernard-Henri Lévy,

Guy Lardreau und André

Glucksmann nach der

Lektüre dieses Buches ihre

kommunistischen Sympathien

ablegten und eine

neue Philosophie der

Freiheit in Frankreich begründeten.

Auf der ersten

Seite des Prologes seines

Archipel Gulag schreibt

Solschenizyn: „Kolyma

aber war die größte und

berühmteste Insel, ein

Grausamkeitspol in diesem

sonderbaren Land

Gulag, das die Geographie

der Inseln zerrissen, die

Psychologie aber zu einem

festen Kontinent zusammengehämmert

hat,

jenem fast unsichtbaren

Land, welches besiedelt ist

vom Volk der Seki, der

Strafgefangenen, der

Lagerhäftlinge.“

Jetzt erschien unter

dem Titel Durch den

Schnee der erste Band

Erzählungen aus Kolyma

von Warlam Schalamow.

Er hat fast zwei Jahrzehnte

als Häftling im Gulag

verbringen müssen, die

meiste Zeit war er in

Kolyma inhaftiert. Oft war

er dem Tod näher als dem

Leben, wenn er bei Minustemperaturen

um 50° zu

schwerer körperlicher

Arbeit gezwungen wurde.

In seinen „Erzählungen“

verzichtet er auf jede literarische

Ausschmückung.

Er nutzt eine Poetik von

äußerster Dichte und

Lakonie, die den Leser mit

dem alltäglichen Leben

und Sterben im Lager konfrontiert.

Er bemüht sich

um eine deutliche Differenzierung

zwischen der

Sprache des Opfers und

der Sprache des Täters.

Ihm kommt es darauf an,

die Empfindungen des

Lagerhäftlings von einst,

seine existenzielle Bitterkeit

darzustellen und

nicht die Weltsicht des

Autors in der Gegenwart

seiner Schreibsituation.

Deshalb ist seine Prosa

von äußerster Nüchternheit

und gewinnt so dokumentarischen

und exemplarischen

Charakter. Er

stellt sich im Anhang die

Frage: „Was habe ich im

Lager gesehen und gelernt?“

Als Erstes nennt er

„die außerordentliche

Fragilität der menschlichen

Kultur und Zivilisation.

Der Mensch wurde

innerhalb von drei Tagen

zur Bestie – unter Schwerarbeit,

Kälte, Hunger und

Schlägen.“ Der Autor,

1907 im nordrussischen

Wologda als Sohn eines

Popen und einer Lehrerin

geboren, kam 1924 nach

Moskau, um dort „sowjetisches

Recht“ zu studieren.

1927 fiel er zum ersten

Mal den Behörden auf, als

er an einer Demonstration

der Opposition zum zehnten

Jahrestag der Oktoberrevolution

teilnahm. Im

Februar 1929 wurde er

zum ersten Mal inhaftiert,

als eine illegale Universitätsdruckerei

ausgehoben

wurde, die den Brief

Lenins vom Dezember

1922 an den XII. Parteitag

der KPdSU veröffentlichen

wollte, in dem Lenin

vor Stalin als seinem

Nachfolger warnte.

Schalamow wurde in

einem Besserungslager

im Nord-Ural inhaftiert.

Nach seiner Entlassung

konnte er erste Prosa-

Veröffentlichungen erreichen,

bevor er 1937 erneut

inhaftiert und mehrfach

verurteilt wurde. Erst

1953 kam er frei und begann

bald mit der Niederschrift

der Erzählungen

aus Kolyma.

Seite 70 Nr. 457 · Dezember 2007

gelesen






Gulag Nasino

 

 

 

 

 

 

Gulag Kengirskoje

 

 







 

 

 

 


https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41794698.html





„Bereit, den Tod auf mich zu nehmen“

 

 

 

 

Eine publizistische Weltsensation steht bevor: Alexander Solschenizyn, Literatur-Nobelpreisträger und Leitfigur der innersowjetischen Opposition, hat unerwartet die Veröffentlichung eines Buches freigegeben, das er als sein Hauptwerk bezeichnet. „Der Archipel GULAG“ ist die bisher schärfste Abrechnung eines sowjetischen Autors mit dem System von Terror und Verbannung in Rußland, das er nicht erst Stalin, sondern bereits Lenin anlastet.
      Fünf Tage und vier Nächte hielt die Untersuchungsgefangene den Fragen der Vernehmungsbeamten stand. Welche Tricks die Routiniers des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes KGB auch anwandten -- Jelisaweta Worotjanskaja, Vertraute des Schriftsteller-Nobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, wich aus, gab nur vage Antworten.   
      Doch die KGB-Männer ließen nicht locker. Immer wieder kreisten ihre Fragen um ein Manuskript Solschenizyns, von dem sie offenbar nur den Titel kannten: "Der Archipel GULAG".   
      Schon Anfang 1969 hatte sich in Moskau herumgesprochen, der einflußreichste Wortführer der innersowjetischen Opposition habe ein Buch geschrieben, in dem er das Sowjetsystem der Vergangenheit schärfer als je zuvor attackierte. Der Titel verriet das Thema der Arbeit, denn GULAG ist das Kürzel für eine der beklemmendsten Institutionen der Sowjet-Union: "Glawnoje Uprawlenije Lagerei", Hauptverwaltung für Straflager.   
      Nur wenigen war bekannt, was Solschenizyn mit dem Manuskript vorhatte. Er hielt es an einem unbekannten Ort versteckt, nicht einmal die engsten Freunde durften es lesen. Immer wieder beteuerte der Autor, er werde sein "Hauptwerk" nur veröffentlichen, wenn er selber in Gefahr sei.   
      Dennoch wollten Gerüchte wissen, er habe das Manuskript bereits in den Westen schmuggeln lassen. Ein amerikanischer Verlag sollte die Abdrucksrechte erworben haben, das Buch in einem New Yorker Banksafe liegen. Solschenizyn reagierte auf solche Gerüchte "nervös und konsterniert" -- so "Time" im März 1970.   
      "Er bat seine Freunde", erinnert sich Solschenizyns Kampfgefährte Jaures Medwedew, "über das Manuskript nichts zu sagen, ja die Existenz des Manuskripts schlechthin zu leugnen. Er tat das, weil er damals tatsächlich nicht an eine Veröffentlichung dachte."   
      Daher wußte er ebenso wie die Fahnder des KGB, daß der heikle Text die Sowjet-Union noch nicht verlassen hatte. Keine Spur wies in das Versteck des Buches. Da packten die Staatssicherer den Dichter an einer schwachen Stelle seines Geheimhaltungsschirms: Im August 1973 geriet Solschenizyn-Vertraute Jelisaweta Woronjanskaja vor die Verhörscheinwerfer des Leningrader KGB.   
      In der fünften Vernehmungsnacht brach die Frau zusammen und gab das Versteck des Buches preis. Das Manuskript geriet in den Besitz des KGB. Die Woronjanskaja fuhr in ihre Wohnung zurück und erhängte sich.   
      Der Selbstmord seiner Konfidentin trieb Solschenizyn in eine Panik. Zug um Zug hatte ihn das KGB von der Umwelt isoliert; die Wohnungen seiner Freunde waren durchsucht, einige von ihnen verhaftet worden. Manuskripte waren beschlagnahmt. sein Mitarbeiter Gabriel Sperfin in einer KGB-Zelle verschwunden.   
      Jetzt sah er sich selber gefährdet. "Wenn ich plötzlich unerklärlicherweise im Sterben liegen sollte", vertraute er Ende August westlichen Korrespondenten an, "können Sie sich darauf verlassen, daß ich mit Zustimmung des Staatssicherheitsdienstes oder von ihm selbst umgebracht wurde."   
      Die Stunde der Entscheidung schien ihm gekommen. Denn das Manuskript enthielt die Namen oder Initialen von 227 Sowjetbürgern, die ihm Material zu seinem Buch geliefert hatten -- sie galt es durch internationale Publizität vor dem KGB zu retten. Solschenizyn in dem Vorwort des "Archipel GULAG": Die Pflicht gegenüber den noch Lebenden überwog die Pflicht gegenüber den Verstorbenen. Doch nun, da das Manuskript in die Hände des Staatssicherheitsdienstes gefallen ist, bleibt mir keine andere Wahl, als es unverzüglich zu veröffentlichen.   
      Noch im September kontaktierte er den Züricher Rechtsanwalt Dr. Fritz Heeb, der seit Anfang 1970 von Solschenizyn mit der Vertretung seiner Autorenrechte im gesamten Westen beauftragt ist,   
      Wie er zu diesem Auftrag kam, gibt Heeb nicht preis. Die Autoren einer unlängst bei Kindler erschienenen Solschenizyn-Biographie, David Burg und Georg Feifer, deuten es nur vorsichtig an; sie bezeichnen den Anwalt als "Sozialdemokraten des linken Flügels", schreiben ihm "enge Beziehungen" zu Dubcek-Anhängern zu und vermuten, "daß die Beauftragung auf diesem Wege erfolgte".   
      Auf welchem Wege der "Archipel GULAG" in den Westen gelangte, will Heeb "natürlich" ebenfalls nicht sagen -- nicht einmal, seit wann das Werk in seinem Besitz ist. Solschenizyn-Lektor Gert Woerner: "Es kam auf sehr, sehr umständlichen Wegen in den Westen" und "nicht als Manuskript-Paket",   
      Sicher aber ist, daß Vermittler Heeb sofort einen ganz bestimmten Abnehmer anvisierte. Seine Wahl war nicht ohne Überraschung: Verleger Rudolf Streit-Scherz in Bern "fiel aus allen Wolken". als ihm der Rechtsanwalt das neue Solschenizyn-Werk anbot und 200 Seiten der Erstfassung einer deutschen Übersetzung zur Prüfung vorlegte.   
      1971 hatte Heeb dem deutschen Luchterhand-Verlag die Weltrechte an Solschenizyns Roman "August Vierzehn" übertragen. Für den "Archipel GULAG" erteilte er Scherz nur das deutsche Copyright. Jeweils einzeln schloß er die Verlagsverträge für die amerikanische (Harper & Row), englische (Collins), französische (Seuil) und schwedische (Wahlström & Widstund) Ausgabe ab,   
      Für die Wahl von Scherz statt Luchterhand war auch ein Wunsch Solschenizyns ausschlaggebend, Heeb: "Ich bekam eine Andeutung von ihm, daß er für dieses Buch einen Schweizer Verlag wünsche."   
      Heeb selbst wünschte sich ebenfalls "einen Verlag in meiner Nähe, weil es ja auch sehr rasch gehen mußte", Außerdem schien ihm bei Scherz "die gebotene Geheimhaltung" des Projekts am besten gewährleistet,   
      Zu eben dieser vorläufigen Geheimhaltung -- Schutz vor allem gegen mögliche prohibitive Sowjet-Schritte wurden Scherz und die übrigen Verlage von Heeb vertraglich verpflichtet, auch der religiöse Emigranten-Verlag YMCA-Press in Paris, der am Freitag vorletzter Woche eine russische "Archipel"-Edition publizierte, die das Urheberrecht Solschenizyns sichert, und der überdies eine Miniaturausgabe im Format einer Zigarettenschachtel vorbereitet. Und tatsächlich gelang das Geheim-Manöver vollkommen:   
      Am 25. Oktober letzten Jahres erhielt Scherz von Heeb das Manuskript der deutschen Übersetzung, deren Verfasserin sich unter dem Pseudonym Anna Peturnig verbirgt. Eingeweiht und jeweils persönlich zur Diskretion vergattert waren im Verlag außer dem Inhaber Streit-Scherz und Cheflektor Woerner nur noch zwei weitere Mitarbeiter,   
      Am 1. November ging Woerner mit der Übersetzerin zur Endredaktion des Manuskripts "für vier Wochen in Klausur" (Woerner), Abschrift-Arbeiten wurden nicht von Verlagssekretärinnen, sondern von Woerner, von Anna Peturnig und von verlags- und branchenfremden Schreibkräften ausgeführt.   
      Anfang Dezember lieferte der Verlag das satzfertige Manuskript an die Druckerei Ebner in Ulm -- unter dem Decktitel "Maximow II"; auch im Text hatten die Scherz-Leute den Namen Solschenizyn durch den Namen des sowjetischen Schriftstellers Wladimir Maximow ersetzt, der ebenfalls bei Scherz publiziert.   
      Noch vor Jahresende erledigte der Scherz-Lektor im Ulmer Druckhaus die letzten Korrekturen, während die Werber des Verlages ihre Instruktionen erhielten, Die ersten Exemplare der 50 000-Erstauflage sollen Ende Januar in den Handel kommen, Weil es Solschenizyns "sehr dezidierter Wunsch ist, daß dieses Werk möglichst weit verbreitet wird" (Heeb), erscheint der 608-Seiten-Band als Paperback zum Niedrigpreis: für 1980 Mark.   
      Erst im letzten Augenblick, gleichzeitig mit dem Erteilen des Imprimatur. ersetzte Woerner Decktitel und Tarnnamen durch eine neue Signatur: Alexander Solschenizyn. Eine publizistische "Weltsensation" (so die "Süddeutsche Zeitung") stand bevor.   
      Begleitet von den Protesten sowjetischer Presseorgane (Tass: "Eine neue antisowjetische Polit-Schmähschrift, Neujahrsgeschenk für die Feinde des Vaterlandes"), konnte Solschenizyns Bericht über die Straflager der UdSSR sofort die volle Aufmerksamkeit der westlichen Öffentlichkeit gewinnen. Weltblätter wie die "New York Times" und der Londoner "Observer" erwarben Vorabdruckrechte, auch der SPIEGEL griff zu: In diesem Heft beginnt er, Auszüge aus dem Buch zu veröffentlichen (siehe Seite 52).   
      Solschenizyns "poetisches j'accuse gegen die Übel des kommunistischen Regimes seiner Heimat" ("Newsweek") sprengt alle Grenzen, die sich die Wortführer der innersowjetischen Opposition in ihrem Kampf für ein liberales Rußland bisher noch zogen. Wie kein sowjetischer Autor vor ihm greift Solschenizyn das von Lenin und Stalin überkommene System an -- in "einem politischen Akt ohne Beispiel in den 56 Jahren seit der bolschewistischen Revolution", wie die "New York Times" urteilt. Bitterer, höhnischer, detaillierter hat kein Sowjetbürger über die Ära leninistisch-stalinistischer Menschenverfolgung gerichtet.   
      Die Tyrannei des Stalinismus -- das ist Solschenizyns Kernthese -- sei kein Betriebsunfall der Geschichte gewesen. sondern schon von langer Hand angelegt: Mit Lenins "Kampagne gegen das "Ungeziefer" der anpassungsunwilligen Kräfte habe diese Fehlentwicklung von Staat und Gesellschaft begonnen.   
      "Auch ich hing lange der Meinung an, so Solschenizyn, "daß es Stalin war, der die sowjetische Staatlichkeit in die verhängnisvolle Richtung getrieben hatte. Inzwischen ist Stalin still dahingeschieden -- aber der Schiffskurs. hat er sich wirklich um vieles geändert? Was er an Eigenem, Persönlichem den Ereignissen aufprägt, war die trostlose Stumpfheit, der starrsinnige Despotismus, die Selbstbeweihräucherung ohne Maß. In allem übrigen trat er genau in die vorgegebenen Fußstapfen."   
      Deshalb liege Rußlands Überlebenschance einzig darin, sich von dieser Vergangenheit radikal freizumachen. Ohne Vergangenheitsbewältigung gebe es keine Zukunft: "Wie unbehaglich. wie unheimlich wird es sein, in einem solchen Land zu leben!"   
      Ohne Rücksicht auf die Gefühle seiner Landsleute verlangt Solschenizyn, bei den Westdeutschen zu lernen, wie man sich von den Massenverbrechen der eigenen Vergangenheit befreit. In Westdeutschland seien 86 000 politische Verbrecher gerichtet worden. "bei uns aber stand ein knappes Dutzend vor Gericht".   
      Mindestens 250 000 Funktionäre will er vor Gericht gestellt sehen, denn zu groß seien die von ihnen begangenen Verbrechen in der Lenin- und Stalin-Zeit gewesen. 12 Millionen Menschen hätten gleichzeitig in den Lagern der GULAG gehaust. Und die "Männer mit den blauen Mützen", die Mitglieder des Staatssicherheitsdienstes seien zu allem bereit gewesen, hätten gemordet. vergewaltigt, geplündert, gestohlen.   
      Solschenizyn: "Vielleicht gab"s auch Blaubemützte, die niemals gestohlen, nichts sich angeeignet hatten, doch für mich ist solch ein Blauer entschieden nicht vorstellbar." Diese "aufgefressenen Visagen. diese Fratzen" seien jeder Bevölkerungsgruppe hinterhergesetzt, sobald sie der Parteiführung lästig schien.   
      So verrucht dünkt ihn das Korps der Regimeschützer, daß sogar auf den deutschen Totalitarismus unter Hitler ein milderes Licht fällt. Die Anhänger der KPD seien bekämpft, aber nicht ausgerottet worden, wie Solschenizyn am Beispiel des KPD-Mitglieds Maximilian Hauke erkennen will: "Wurde er vernichtet? Keineswegs. Er bekam zwei Jahre. Danach natürlich abermals verurteilt? Wieder falsch. Freigelassen. Das verstehe unsereins, wie er will!"   
      Und, einmal in Rage, versteigt er sich gar dazu, Hitlers Gestapo mit Stalins MGB zu vergleichen: "Gefoltert wurde da wie dort, doch die Gestapo versuchte trotz allem, die Wahrheit zu finden. Dem MGB war die Wahrheit egal, und es hatte nicht die Absicht, einen einmal Verhafteten wieder aus den Klauen zu lassen."   
      Viele Sowjetbürger, zürnt der Autor, hätten der Hatz auf vermeintliche Staatsfeinde nur allzuoft zugejubelt. Ruhig habe man zugeschaut. wie eine Gruppe nach der anderen, sofern es nur nicht die eigene war, in der Lagerwelt der GULAG unterging, wie sich die sowjetische Gesellschaft selber zerstörte: "Solcherart Glied um Glied vom Schwanz her verschmausend, arbeitet sich der Drachen bis zum eigenen Haupt vor."   
      Nur wenige hätten gegen die fortschreitende Unfreiheit protestiert: "Sehr, sehr viel Mut brauchte einer in diesem johlenden Chor für sein "Nein!' -- unvergleichlich mehr als heute." Die Freiheit war längst verloren: "Wir hatten uns in dem einen ungestümen Aufbruch des Jahres 17 verausgabt und beeilten uns danach, wieder gefügig zu werden, fanden Freude daran, wieder gefügig zu sein. Wir haben alles weitere einfach verdient."   
      Da will es ihn dann auch nicht wundern, daß dieses Volk und dieser Staat im Zweiten Weltkrieg jene Rotarmisten verurteilte, die das Unglück gehabt hatten, in deutsche Gefangenschaft zu fallen. Solschenizyn klagt: "Diese vielmillionenfache Niedertracht: seine Kriegsmänner zu verraten und sie auch noch zu Verrätern zu erklären -- wo hat es das sonstwann gegeben?!"   
      So hart und kompromißlos kann nur ein Intellektueller formulieren, der sich in der großen russischen Tradition des literarisch-politischen Protests stehen sieht. In dem lange Zeit unterentwickelten Riesenreich. in dem es bis heute an demokratischen Erfahrungen fehlt, waren es stets die durch Wortgewalt und Wissen Privilegierten, die gegen die dumpfe Autorität der Zaren und Popen aufbegehrten -- und oft mit Tod oder Verbannung bezahlen mußten.   
      Fjodor Dostojewski wurde als Teilnehmer eines studentischen Widerstands-Zirkels zum Tode verurteilt und erst auf dem Richtplatz zu vier Jahren Zuchthaus begnadigt. Und den Kirchenkritiker Leo Tolstoi überantwortete ein Pope Sonntag für Sonntag der ewigen Verdammnis -- zusammen mit zwei Räuberhauptleuten.   
      Die Revolution der Kommunisten im Oktober 1917 änderte an dem gestörten Verhältnis der Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler zum Staat nur wenig. Maxim Gorki resignierte vor der mißtrauischen Parteibürokratie: Wladimir Majakowski und Sergej Jessenin, die das neue Rußland in mitreißenden Versen besungen hatten, wählten enttäuscht den Freitod.   
      Auch Alexander Issajewitseh Solschenizyn, am 11. Dezember 1918 in Kislowodsk im Kaukasus geboren, hatte an sich und seiner Familie das Auf und Ab wandelbarer Staats- und Parteitreue erfahren.   
      Die Solschenizyns waren ein unruhiges Geschlecht: Der Ahnherr Filip Solschenizyn wurde von Peter dem Großen nach dem fernen Woronesch verbannt. weil er eigenmächtig Ackerland des Zaren besetzt hatte, und einen seiner Nachkommen (Alexanders Ur-Ur-Großvater) traf ebenfalls ein Verbannungsukas wegen Teilnahme an einer Bauernrevolte.   
      Dem "Sohn der Revolution Lenins". wie später die Stockholmer Nobelpreis-Jury formulierte, schien ein ruhigerer Lebensweg sicher. Alexander Solschenizyn wuchs nach dem Tod seines Vaters (Jagdunfall) in Rostow auf, wo seine Mutter als Stenotypistin arbeitete. Er wurde religiös erzogen -- nichts deutete auf eine dramatische Entwicklung hin.   
      Er entschied sich für ein Mathematik-Studium und absolvierte es mit hoher Auszeichnung, im Oktober 1941 wurde er zur Armee eingezogen. Von 1942 an stand der Artillerie-Hauptmann Solschenizyn als Batteriechef an der Front -- bis er die Aufmerksamkeit der gefürchteten militärischen Spionageabwehr "Smersch" auf sich lenkte.   
      Die Smersch-Überwacher hatten im Februar 1945 einige Feldpostbriefe abgefangen, die der inzwischen zweifach dekorierte Offizier einem Schulfreund geschrieben hatte. Da war der Hauptmann in "jugendlicher Sorglosigkeit" (Solschenizyn) über Stalins strategische Fehler und "ungepflegte" Ausdrucksweise hergefallen.   
      Offiziere der Smersch verhafteten ihn in seiner ostpreußischen Stellung. Von Stund an war "ich ein entlarvter. Feind des Volkes, denn es ist bei uns jeder Festgenommene von Anfang an auch schon vollkommen entlarvt".   
      Solschenizyn wurde in das Moskauer Lubjanka-Gefängnis gebracht und ohne Prozeß zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Bei seiner Verhaftung beschlagnahmte die Abwehrpolizei auch literarische Aufzeichnungen und von ihm gesammelte historische Photos -- seit 1936 trug er sich mit der Absicht, einen großen Roman über den Ersten Weltkrieg zu schreiben.   
      Daß er studierter Mathematiker war, verhalf ihm zur Einweisung in ein Spezialgefängnis bei Moskau -- Vorbild des Getto-Forschungsinstituts für Inhaftierte Wissenschaftler ("Mawrino") in seinem späteren Roman "Der erste Kreis der Hölle".   
      Später kam er in das Lager Ekibastus in Kasachstan, wo er als Maurer und Gießer arbeitete. Am 5. März 1953, Stalins erstem Todestag, wurde der Häftling Nr. 232 entlassen -- zu "ewiger" Verbannung in das Dorf Kok-Terek (Kasachstan). Dort durfte er als Mathematik- und Physik-Lehrer tätig sein. Er arbeitete, obwohl er körperlich litt.   
      Schon im Lager Ekibastus war Solschenizyn an Darmkrebs erkrankt und operiert worden. 1953 erkrankte er erneut. "Ich war am Sterben", berichtete er später, "doch irgendwie gelang es mir, Taschkent zu erreichen, und nach einer langen Behandlung wurde ich gesund." Die Taschkenter Klinik, in der er behandelt wurde, war das Vorbild zu dem Roman "Krebsstation".   
      Bereits im Lager hatte Solschenizyn literarische Werke im Kopf konzipiert, darunter das Versdrama "Das Bankett der Sieger", das ihm von allen seinen Arbeiten den ärgsten Verdruß eintragen sollte.   
      Im "Bankett der Sieger" verglich er Stalin mit Hitler und artikulierte sogar Sympathie für die verrufensten Figuren in der Sowjet-Union: die Anhänger des ehemaligen Sowjetgenerals Wlassow, die auf deutscher Seite gekämpft hatten.   
      Nie konnte Solschenizyn eine Szene vergessen, die er 1944 im Kessel von Bobruisk erlebt hatte: Vor seinen Augen trieb ein Sergeant vom Sonderdienst der Roten Armee hoch zu Pferd einen gefangenen Wlassow-Soldaten mit der Peitsche vor sich her. "Er ließ die Knute", erinnert sich Solschenizyn. "auf den nackten Leib des Opfers sausen, daß der sich nicht umsah, nicht um Hilfe rief: er trieb den Mann vorwärts und schlug auf ihn ein. immer neue blutige Striemen in seine Haut prügelnd."   
      Er selbst aber, der Hauptmann der Roten Armee, sah der Tortur ruhig zu: "Ich war zu feige. den Wlassow-Mann vor dem Sonderdienstler in Schutz zu nehmen, ich habe nichts gesagt und nichts getan, ich ging vorbei, als ob ich nicht gehört hätte."   
      Seine Wut und Scham aber schrieb er in das " Bankett der Sieger", so aggressiv, daß noch heute seine Verfolger im KGB mit dem Gedanken spielen, das antisowjetische Drama (das KGB besitzt die einzig erhaltene Kopie des Manuskripts) im Westen aufführen zu lassen, um ihn als Vaterlandsfeind zu diffamieren -- und das, obwohl sich Solschenizyn längst von seinem Werk distanziert hat.   
      Seine Aufmerksamkeit galt denn auch zunächst anderen literarischen Plänen. Als er 1956 aus der Verbannung entlassen und offiziell rehabilitiert wurde, hatte er bereits mit der -- heimlichen -- Niederschrift mehrerer Erzählungen begonnen. In Rjasan, rund 200 Kilometer südöstlich von Moskau, fand er eine Anstellung als Mathematik- und Physik-Lehrer.   
      Dort schrieb er auch die Erzählung vom Lager-Alltag des unschuldigen Häftlings und unkorrumpierbaren kleinen Sowjet-Mannes Iwan Denissowitsch. das erste Hauptbuch der antistalinistischen Sowjet-Literatur, mit dessen Veröffentlichung im November 1962 Solschenizyns Weltruhm begann -- und auch sein bis heute nicht entschiedener Konflikt mit dem Sowjet-Regime.   
      Solschenizyns Entdecker war der Schriftsteller Alexander Twardowski, Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Nowy mir" und eine Zentralfigur der liberalen sowjetischen Intelligenzija. Er erkannte in dem Verfasser und Einsender des "Denissowitseh" einen "neuen Klassiker" und brachte das Manuskript dem Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow nahe.   
      Chruschtschow, dessen Entstalinisierungs-Politik Solschenizyn zu einem Veröffentlichungs-Versuch ermutigt hatte, kam die Geschichte von den Zuständen in Stalins Todeslagern, die er sich an seinem Feriensitz Pitsunda am Schwarzen Meer von seinem Assistenten Lebedew vorlesen ließ, gelegen. "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" durfte in "Nowy mir" und als Buch erscheinen, wurde in der Sowjet-Presse als meisterlich und als "wahr" gefeiert. wurde ein Sowjet-Bestseller mit Millionen-Leserschaft.   
      Das Glück hielt nicht lange. Schon zwei Jahre später signalisierte die Tatsache, daß Solschenizyn beim fälligen Lenin-Preis unter offiziösem Druck ausjuriert wurde, einen Umschwung. Chruschtschow warnte öffentlich vor einer Überflutung mit Häftlings- und Lager-Literatur; die Entstalinisierung schien systembedrohend auszuufern.   
      Ihr literarischer Protagonist Solschenizyn geriet nach Chruschtschows Sturz 1964 rasch in Bedrängnis. Sein "Denissowitsch" verschwand aus den Bibliotheken, Parteifunktionäre setzten gezielte, zum Teil groteske Verleumdungen über den unerwünschten Autor in Umlauf: Solschenizyn habe im Krieg mit den Deutschen kollaboriert; er sei nach Ägypten geflohen; er heiße in Wirklichkeit "Solschenitzer" und sei Jude.   
      Andere Solschenizyn-Werke wie "Der erste Kreis der Hölle" und die "Krebsstation" wurden nicht mehr gedruckt. Im Mai 1967 wurde der Konflikt heiß: Der bedrängte Schriftsteller wehrte sich öffentlich, zum ersten Mal klagte Solschenizyn an.   
      in einem offenen Brief an den in Moskau tagenden sowjetischen Schriftstellerkongreß forderte er die Beseitigung der Zensur, attackierte den Schriftstellerverband als ein Instrument der Repression und enthüllte die Unterdrückung seiner eigenen Schriften.   
      In der SoWjet-Presse steigerten sich darauf die Schmähungen und Drohungen gegen den Schriftsteller. 1969 aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. wurde Alexander Solschenizyn nun endgültig zur Leit- und Symbolfigur innersowjetischer Opposition, zum Wortführer des kleinen Kreises der erklärten Dissidenten und des größeren einer auf Liberalisierung hoffenden sowjetischen Intelligenz.   
      Der Name Solschenizyn schien das Häuflein der Opponenten und Systemkritiker zusammenzuschweißen. Weder Strafen noch Strafandrohungen konnten verhindern, daß die Zahl der Kritiker stetig wuchs. Bald waren Moskaus Dissidenten in der Innenpolitik, später auch in der Außenpolitik ein Faktor, mit dem der Kreml rechnen muß.   
      Wie groß allerdings die Zahl der Dissidenten ist, läßt sich nur vermuten. Regime-Kritiker Amalrik ermittelte 738 Personen, die 1966 bereit waren, Protest-Petitionen mit vollem Namen zu unterzeichnen.   
      Aufgesplittert in kleine Grüppchen, Cliquen oder Freundeskreise, mitunter durch registrierte Mitgliedschaft organisiert, kann sich die Opposition gegen den Kreml nur auf das eher schadenfrohe denn empörte Einverständnis einer schweigenden Minderheit stützen. Mancher Sowjetbürger ahnt ohnehin, daß die Rolle der Dissidenten kaum möglich wäre, gäbe es nicht in der UdSSR eine Liberalisierung.   
      Zudem haben Moskaus intellektuelle Kritiker längst aufgehört, sich nur mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Sie fordern Reformen der Innenpolitik, Presse- und Informationsfreiheit, bessere Versorgung mit Konsumgütern und Freizügigkeit.   
      Doch das Urteil der Dissidenten ist nicht einheitlich; unterschiedlich, wenn nicht gar widersprüchlich sind auch ihre politischen Ziel-Vorstellungen.   
      Der Biologe Jaures Medwedew qualifiziert den Widerstand des Historikers Jakir ("Der Geheimdienst hat ihn jahrelang als eine Art Halb-Provokateur benutzt") ab, während sein Zwillingsbruder Roy Medwedew, Historiker und Regime-Kritiker, seinem Gefährten Maximow widerspricht, der die verständigungsbereite Ostpolitik des Westens gegenüber Moskau als "weiche Welle" verurteilt hatte.   
      Erste Ordnung in die diffuse Welt der Opposition brachte der Physiker Andrej D. Sacharow, neben Solschenizyn der bekannteste der Moskauer Dissidenten, der für eine Annäherung der Systeme von Ost und West eintritt. Der Professor, der als Vater der sowjetischen H-Bombe gilt, hat sich nach eigenem Zeugnis "vom Marxisten zum Liberalen" entwickelt; was er politisch für machbar hält. ist jedoch eher sozialdemokratische Politik.   
      Sacharow und sein Freundeskreis, lose organisiert im "Komitee für Menschenrechte", halten als ersten Schritt zur Verbesserung ihrer Lage die konsequente Einhaltung der verfassungsrechtlichen Normen durch den Sowjet-Staat für ausreichend: In den Artikeln 124 und 125 der Sowjet-Verfassung sind Gewissens-, Rede- und Pressefreiheit garantiert.   
      Im Endstadium -- so Sacharow -- führt "eine sozialistische Konvergenz zur Glättung der Unterschiede in der sozialen Struktur ... zur Schaffung einer Weitregierung und zum Ausgleich nationaler Widersprüche".   
      Eine Zeitlang hoffte Sacharow, Solschenizyn für dieses Programm zu gewinnen. Er bot dem Schriftsteller an, seinem Komitee beizutreten. Doch Solschenizyn mißtraut derartigen Programmen. Er wies Sacharow ab.   
      Sein Kampf gilt mehr einer Reform der politischen Moral als des Systems. Solschenizyn, der sich nach dem Vorbild altrussischer Kirchenmärtyrer oder auch in der Nachfolge Dostojewskis als einzelner und als Leidender versteht, als Wegbereiter eher durch Beispiel denn als handelnde politische Kraft, entzog sich der Organisation.   
      Er glaube nicht an den Wert von Resolutionen, hat er die Menschenrechts-Kämpfer wissen lassen. Solschenizyns Kredo will am Absoluten gemessen sein: "Niemand kann der Wahrheit den Weg versperren, und für ihr Fortschreiten bin ich bereit, den Tod auf mich zu nehmen."   
      So ging er denn daran, jenes Manuskript erneut zu bearbeiten, das er 1958 zu schreiben begonnen hatte: "Der Archipel GULAG". Je mehr die innersowjetische Opposition zerfaserte, desto stärker fühlte er die Pflicht, der Stimme des Protestes weiten Widerhall zu geben. Zufälle erleichterten ihm die Entscheidung. Das brisanteste Buch zeitgenössischer Sowjet-Literatur gelangte in den Westen.   
      Zugleich erreichte weiteres Manuskriptmaterial den Scherz-Verlag, denn "Der Archipel GULAG" enthält nur den kleineren Teil des Solschenizyn-Werkes. eben jenen, der dem KGB in die Hände gefallen war. Bei Scherz werden bereits zwei neue "Archipel"-Bände anvisiert.   
      Alexander Issajewitsch Solschenizyn ist damit ein Wagnis eingegangen, dessen Folgen sich zur Stunde noch nicht überblicken lassen. Doch Solschenizyn-Vertrauter Heeb hofft: "Er hat alle Risiken genau bedacht. Hoffentlich passiert ihm nichts."   


                                    


 

 


https://www.owep.de/artikel/1143/gulag-stalinistischer-strafvollzug-in-sowjetunion




GULag – stalinistischer Strafvollzug in der Sowjetunion



Das Straflagersystem des GULag steht für die repressive Seite des Stalinismus. Zwischen 1929 und 1953 wurden an die 18 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit unter härtesten Bedingungen verurteilt, die Mehrheit davon aus politischen Gründen. Der Beitrag führt in Geschichte und Interpretationen des GULag ein und versucht, den sowjetischen Strafvollzug in allgemeinen Entwicklungslinien der Landes zu verorten.




Dr. Matthias Stadelmann ist Privatdozent für Neuere und Osteuropäische Geschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg und Professor (in Vertretung) für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die Geschichte der Sowjetunion, insbesondere des Stalinismus.

GULag ist ein schrecklicher Begriff. Schon im Klang scheint er eine Vorstellung vom dem Grauen zu geben, das sich hinter ihm verbirgt. Hinter geläufigen Ausdrücken wie „jemand verschwand im GULag“ erscheint geradezu lautmalerisch jene Hölle auf Erden, die diesen jemand erwartete. GULag – das klingt dumpf, brutal, grausam; spätestens seit Aleksander Solschenizyns beeindruckendem Opus wissen wir, dass es „im GULag“, im System der sowjetischen Straflager auch so war. 1 Ungeachtet seines verstörenden Klanges ist das Wort für sich genommen freilich nur eines jener Akronyme, wie sie in der bewusst technokratisierten, funktionalistischen sowjetischen Sprache hundertfach vorkamen: GULag steht für Glavnoe Upravlenie Lagerej, für Hauptlagerverwaltung, und bezeichnet damit die administrative Seite des sowjetischen Straflagersystems. Das GULag (Upravlenie im Russischen ist grammatikalisch Neutrum) ist demnach schlichtweg eine Behörde, die sich mit einer bestimmten Sparte des Strafvollzugs in der Sowjetunion beschäftigte; ihr unterstanden Lager vom Polarkreis bis Usbekistan, vom Fernen Osten bis in die Ukraine. Doch der Begriff hat sich über die Jahrzehnte hinweg verselbstständigt, was etwa auch darin seinen Ausdruck findet, dass er im Verständnis vieler Autoren nicht nur für die behördliche Seite des Straflagersystems steht, sondern für den von Repression und Willkür geprägten sowjetischen Strafvollzug schlechthin.

Der folgende Beitrag setzt sich zum Ziel, auf der Grundlage neuerer Forschungsliteratur in die Geschichte des sowjetischen Lagersystems einzuführen. 2 Dabei wird das Phänomen GULag in den historischen Kontext eingeordnet; mögliche Begründungen für die Entstehung des Systems werden genannt, die unterschiedlichen Strafvollzugstypen kurz vorgestellt sowie Zahlen zu den Insassen angeführt. Am Ende steht ein knapper Ausblick auf die weitere Entwicklung.

Historischer Kontext

Zwangsarbeit hat im russischen Strafvollzug eine lange Tradition. Schon seit etwa 1700, seit der Zeit Peters I., der alle Ressourcen seiner Untertanen maximieren wollte, hatten sich straffällig Gewordene mit harter Arbeit für den Staat an meist entlegenen Orten nützlich zu machen. Im schier endlosen, oft unwirtlichen, wenig erschlossenen und dünn besiedelten Sibirien fand sich genügend Raum, um verurteilte Straftäter unterzubringen, vom Rest der Gesellschaft zu isolieren und zu mehr oder weniger nützlichen Tätigkeiten für den Staat zu zwingen, etwa in Steinbrüchen, Bergwerken, Fabriken oder beim Straßen- und Wegebau. Eine mildere Form der Bestrafung bestand in der Verbannung in Russlands östliche Weiten. Hierbei ging es nicht um Zwangsarbeit, sondern um Zwangsansiedlung und das Verbot zur Rückkehr in das europäische Russland. Gerne wird die Kontinuität zwischen russländischem und sowjetischem Strafvollzug, gerade im Hinblick auf Sibirien, betont. Doch die Zahl von etwa 6.000 zur Zwangsarbeit Verschickten im Jahr 1906 deutet bereits an, dass der sowjetische Strafvollzug hier in ganz anderen Dimensionen operierte. Auch wenn die Zahl der Verbannten im Russischen Zarenreich des 19. Jahrhunderts in die Hunderttausende ging (und diese Gruppe von Verurteilten damit einen erheblich bedeutenderen Beitrag zur Kolonisierung Sibiriens leistete als die Strafgefangenen), war der Strafvollzug im Russischen Reich von gänzlich anderer Qualität wie Quantität als nach der Revolution von 1917.

Mit dem Erfolg von Lenins Bolschewisten, des radikalen Flügels der russischen Sozialdemokraten, im Bürgerkrieg (1918-1921) beginnt die Geschichte des sowjetischen Straflagersystems, auch wenn das GULag als Behörde erst 1929 ins Leben gerufen wurde. 3 Schon seit 1918 verfolgten Russlands Revolutionäre das Ziel, politische Missliebige in Lagern zu „konzentrieren“. Neben einem unter neuen Vorzeichen fortgeführten herkömmlichen Strafvollzug in Gefängnissen richtete man unter behördlicher Kompetenz der VČK bzw. der GPU 4 „Sonderlager“ ein. Eines konkreten Vergehens oder gar eines gerichtlichen Prozesses bedurfte es nicht: Als Grund für die Verhaftung reichte aus, dass man den verhassten Klassenfeinden angehörte: Adel, Bourgeoisie, Geistlichkeit – und anderer, wie es im Jargon der Zeit hieß, „menschlicher Müll“. Besonders prädestiniert für die Internierung waren Funktionsträger der alten Regierungen sowie Gegner des neuen Regimes, darunter wurden übrigens gerade Angehörige anderer sozialistischer Parteien besonders intensiv verfolgt. Ob sie die Internierten in den Lagern umerziehen wollten, wussten die Bolschewisten im Chaos der revolutionären Anfangsjahre wohl selbst nicht genau; wenn man den Eindruck hatte, die Eingesperrten seien unverbesserlich, kam es vor, dass man sie einfach erschoss. Der „Rote Terror“ herrschte auf Russlands Straßen und in den Lagern; von einem nachvollziehbaren, klar geregelten und begründeten Strafvollzug konnte bis mindestens 1922 nicht die Rede sein.

Obwohl man bereits 1923 ein groß angelegtes Konzentrationslager auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer anlegte, entzog sich die sowjetische Strafpolitik in den 1920er Jahren einer klar definierbaren Einheitlichkeit – und ordnete sich damit in allgemeine Zustände und Entwicklungen in der Sowjetunion auf den Gebieten von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur ein. Nach der Durchsetzung im Bürgerkrieg, nach der Verabschiedung von einer schnellen Weltrevolution, nach der Konzentration auf den „Aufbau des Sozialismus in einem Land“ waren die sowjetischen zwanziger Jahre Jahre des Suchens, in denen man unbedingt die „richtigen“ sozialistischen Wege beschreiten wollte, in den wenigsten Fällen jedoch wusste, wie man auf diese Wege kam und zu welchen konkreten Zielen sie führten. 5

Erst am Ende der 1920er traf die sowjetische Politik, die sich nun bereits unter einer Art Allmacht des Partei-Generalsekretärs Stalin befand, klare Entscheidungen über die künftige Richtung. Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur sollten forciert im sozialistischen Geist umgestaltet werden. Forcierte Schwerindustrialisierung des bis dato nach wie vor agrardominierten Landes, Zusammenfassung der traditionellen bäuerlichen Kleinwirtschaften in kollektiv organisierten Großbetrieben (Kolchosen und Sowchosen), Schaffung einer neuen, jungen, sowjetischen Elite in Kultur, Wissenschaft und Technik bei gleichzeitiger Hinausdrängung derjenigen Eliten auf diesen Feldern, die man aus schierem „Personalmangel“ heraus den Systemwechsel hatte überstehen lassen – zwischen 1927 und 1931 ereignete sich in der Sowjetunion eine abermalige „Revolution“, die „von oben“, d. h. in der Führungsebene der Partei, initiiert wurde und dem Land auf verschiedenen Sektoren noch größere strukturelle Umbrüche bescherte als das Jahr 1917. Dieser Kontext eines neuerlichen, mit äußerster Entschlossenheit und brachialem Zugriff durchgezogenen Umbruchs ist sehr wichtig, um die Entstehung des GULag ab 1929 adäquat einzuordnen.

Motivationen für die Schaffung des GULag

Das GULag und seine Straflager wurden nicht aus sadistisch-zynischer Bösartigkeit heraus ersonnen, um eine Hölle auf Erden entstehen zu lassen, auch wenn man letztere de facto schuf. Das Vorhaben Stalins und seiner Entourage, nun mit Macht und Konsequenz den Sozialismus aufzubauen, wurde in einer totalitären Qualität angegangen. Wer sich anders als die Partei positionierte, wer die Welt anders sah, wer andere Vorstellungen über den Sozialismus oder über die richtige Art zu wirtschaften und zu arbeiten hatte, wurde damit zum Feind, der mit seinem schädlichen Wirken das Erreichen des sozialistischen Zieles gefährden konnte. Wer den angestrebten Umwälzungen im Interesse „des Volkes“ im Wege zu stehen schien bzw. sie womöglich gar sabotieren und stören konnte, musste weg, da kannte die bolschewistische Führung weder Rücksicht noch Erbarmen, ob auf zentraler oder lokaler Ebene. Nicht ganz weg, freilich. Schließlich glaubten die Bolschewisten nicht nur an die Vision des Sozialismus als einzig zukunftsfähigem Weg zu Wohlstand und Gerechtigkeit, sondern sie glaubten auch an die prinzipielle Erziehbarkeit des Menschen, an die Formbarkeit der Gesellschaft. Wenn man also reale oder potenzielle Störenfriede aus der Gesellschaft entfernte, sollten diese, sofern ihre „Verbrechen“ an Staat und Gesellschaft nicht ihre physische Liquidierung einforderten, eine Chance erhalten, von nutzlosem, gesellschaftsgefährdendem Abschaum transformiert zu werden zu Menschen, die die Richtigkeit des sozialistischen Weges erkannten und an ihm teil hatten. „Arbeit macht frei“ schrieben die deutschen Nationalsozialisten über die Tore zu ihren Konzentrationslagern, um in zynischer Menschenverachtung ihre chancenlosen Opfer zu demoralisieren. An den sowjetischen Straflagereingängen stand dieser Satz nicht, aber die grundsätzliche Idee war im System mitgedacht. Dass beides, Strafe und Umerziehung, auch im Dienste des sozialistischen Aufbaus stehen sollte, war Teil des Konzeptes, weshalb die in das Straflagersystem eingewiesenen „Volksfeinde“ mit harter, gesellschaftlich nützlicher Schufterei in zeitweiliger Unfreiheit ihre (angebliche) feindliche Haltung gegenüber der Sowjetunion, ihre (vermeintlichen) Vergehen und Verbrechen, ihre „Schuld“ abarbeiten sollten – zum Nutzen der Staatswirtschaft (und damit, in bolschewistischer Lesart, zum Nutzen des Volkes), aber auch zum Nutzen ihrer selbst. 6

Die „Geburt“ des GULag im Jahr 1929 ist also von den politisch-ideologischen Umständen in der Sowjetunion jener Zeit nicht zu trennen, ebenso wenig vom Ausschließlichkeitsanspruch totalitärer Regime im Europa des 20. Jahrhunderts, ebenso wenig von der brachialen Gewaltkultur bolschewistischen Regierens, wie es sich in Bürgerkrieg und Revolution herausgebildet hatte. Diese Feststellungen bedeuten nicht, dass das System der sowjetischen Zwangsarbeitslager in der Realität seiner Existenz nicht noch weitere Funktionen angenommen und erfüllt hätte. So betont etwa Anne Applebaum in ihrem beeindruckenden Opus „GULAG. A History“ von 2003 wie bereits etliche andere Experten gerade die ökonomische Dimension des sowjetischen Lagersystems. 7 Die sowjetische Führung brauchte die Gefangenen, um Arbeiten in fernsten, unwirtlichen, im Winter unbeschreiblich kalten, im Sommer mückenüberfluteten Gegenden durchführen zu lassen, zu Bedingungen, für die freiwillig kein Mensch zu gewinnen gewesen wäre: Abbau von Gold oder Rohstoffen und Bodenschätzen im hohen Norden und fernen Osten; Eisenbahn-, Straßen-, Kanal- und Kraftwerksbau; holzwirtschaftliche Tätigkeiten in Sibiriens Wäldern; Aufbau schwerindustrieller Produktionsstätten und Mitwirkung an der Herstellung etwa von Rüstungsgütern, wie überhaupt die allmähliche Kolonisierung unbewohnter, wenig attraktiver Landstriche. Tatsächlich erreichten die Zwangsarbeiter des GULag durchaus beachtliche – absolute – Zahlen auf den genannten Feldern; die Effektivität und Produktivität der Zwangsarbeit jedoch war gegenüber der „zivilen“ Bewirtschaftung stets äußerst gering. Ob, wie von einigen Autoren postuliert, die ökonomische Funktion gar ausschlaggebend war für die Errichtung des GULag-Komplexes und für die enormen Verhaftungszahlen, bleibt bis heute Ansichtssache. In jedem Fall fügte sich die ökonomische Ausnutzung der Strafgefangenen gut in das Konzept vom Strafen, Abarbeiten und Umerziehen, mit welchem man der „Volksfeinde“ Herr werden wollte.

Ein anderer Zugang zum GULag besteht in seiner politischen Verortung. In dieser Auffassung ist das ökonomische Potenzial des Straflagersystems allenfalls ein Nebenprodukt eines in seiner Motivation ausschließlich politischen Anliegens. Das GULag diente der Festigung der Partei- und Personendiktatur, indem vermeintliche oder reale Gegner der Stalinschen Politik ausgeschaltet wurden. Letzteres ist in diesem Erklärungsmodell durchaus wörtlich zu nehmen: Der Tod der Inhaftierten wurde durch miserable Bedingungen bei harter Arbeit und gezielter Unterernährung nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sogar angestrebt. Man konnte Missliebige liquidieren, ohne sich aktiv die Hände dabei schmutzig zu machen. Dass unerwünschte Elemente für lange Zeit – ohne jede Rückkehrgarantie – verschwinden konnten, oder dass es keiner belastbar-konkreten strafrechtlichen Prozesse bedurfte, um Hunderte und Tausende ins Lager zu schicken – solche Konstellationen gaben den zentralen, aber auch regionalen Führungsorganen in Staat und Partei, Wirtschaft und öffentlichem Leben enorme Druckmittel in die Hand, um Vorstellungen durchzusetzen und gegenläufige Strömungen zu verhindern. Die These jedoch von unausgesprochenen Vernichtungslagern im GULag für Gegner Stalins und der Bolschewisten, die Rückführung der Lager vor allem auf die mörderische Bosheit eines amoralischen Regimes, führt – bei aller Erschütterung über Opferschicksale – in historischer Betrachtung nicht weiter, zumal die „Feinde“, die die Sowjetunion in die Lager schickte, grundsätzlich „zum Besseren“ transformierbar schienen, im Gegensatz etwa zu den Juden in Deutschland, für die der nationalsozialistische Rassenwahn als Option nur die Auslöschung vorsah.

Arten bzw. Orte des Strafvollzugs

Welche Arten des Strafvollzugs gab es in der Zeit des GULag? Die äußerste Form der Bestrafung bestand, wie in zahlreichen anderen Staaten der Zeit auch, in der Hinrichtung. Die sowjetischen Organe hatten keine Scheu, die Todesstrafe zu verhängen, wenn ein Schwerstverbrechen – ob politisch oder kriminell – verhandelt wurde und man dem Delinquenten keine Chance zur „Besserung“ oder „Abarbeitung“ geben wollte. Die zweite Stufe des Strafvollzugs bestand im Gefängnis. Damit sind hier nicht die Untersuchungsgefängnisse gemeint, in denen zum Teil mit unmenschlichsten Methoden Schuldeingeständnisse aus Arretierten herausgepresst wurden, sondern jene Haftanstalten, in denen man langfristig jene Verurteilten unterbrachte, die man für „besonders gefährlich“ und „unverbesserlich“ hielt. Die Insassen von sowjetischen Gefängnissen wurden unter miserabelsten Bedingungen in weitgehender Isolation voneinander gehalten, Gefängnis galt als schlimmste Form der Haft.

Die bekannteste Form des sowjetischen Strafvollzugs stellten die Arbeits- und Besserungsanstalten dar. Generell galt, dass Verurteilte mit Strafen über drei Jahren in Lager eingewiesen wurden, wer weniger als drei Jahre bekommen hatte, landete in sogenannten Kolonien. In letzteren saßen vorwiegend „gewöhnliche“ Kriminelle, da die aus politischen Gründen Verurteilten in der Regel nicht mit drei Jahren oder weniger davonkamen. Kolonien lagen meist nicht in den entferntesten Extremregionen und stellten eine etwas abgemilderte Form des Vollzugs dar. Die Lager dagegen bildeten den Kern des GULag – es handelte sich um jene stacheldrahtumwickelten Barackensiedlungen fernab der Zivilisation, deren Insassen unter widrigsten Bedingungen, von schlechter Ernährung über mangelnde Hygiene bis zu gezielten Demütigungen durch das Wachpersonal, härteste Arbeit leisten mussten. Das Überleben dieser Verhältnisse war möglich, wurde einem aber nicht leicht gemacht. 8

Die mildeste Variante des Strafvollzugs bestand in den Sondersiedlungen. Obwohl formell nicht zur Behörde GULag gehörend, werden sie von der Geschichtsschreibung in den weiter gefassten Begriff von „Gulag“ als stalinistische Repressionsmaschinerie integriert. Die Sondersiedlungen gab es in erster Linie für die im Rahmen der Zwangskollektivierung von ihren Feldern vertriebenen wohlhabenderen Bauern („Kulaken“) sowie für die von Stalin, oft nur aus schierem Misstrauen und purer Abneigung, deportierten kleinen Völkerschaften (z. B. Krimtataren, Wolgadeutsche, Tschetschenen u. a.). Die Siedlungen lagen in Sibirien und Mittelasien, ihre Bewohner konnten sich vor Ort frei bewegen, hatten zu arbeiten, wofür sie auch bezahlt wurden, und mussten sich selbst um ihren Lebensunterhalt kümmern. Im Prinzip handelte es sich um die sowjetische Variante der „Verbannung“. Schließlich gab es auch noch die Verurteilung zu Zwangsarbeit ohne Freiheitsentzug, was vor allem bei kleineren Vergehen am Arbeitsplatz angewendet wurde.

Opferzahlen

Es wird wohl immer umstritten bleiben, wie viele Menschen zu Opfern des GULag wurden. Zunächst ist dabei zu betonen, dass das GULag ein Phänomen der Stalin-Zeit war. Mit dem Tode des allmächtigen Generalsekretärs 1953 begann die Phase der Auflösung des stalinistischen Lagersystems. Verschiedene Amnestiewellen leerten seit 1953 die Lager, Kolonien und Sondersiedlungen, zum Teil trugen auch Häftlinge mit groß angelegten Revolten zur Beschleunigung des Auflösungsprozesses bei. Stalins Erben, allen voran Nikita Chruschtschow, nahmen der Sowjetunion ihren außerordentlichen gewalttätigen Charakter. Organisatorische Neuregelungen des Strafvollzugs Anfang der 1960er Jahre markierten hierbei auch eine behördliche Zäsur. Selbstredend gab es weiterhin Straflager in der UdSSR, in denen man auch aus politischen Gründen landen konnte. Die Bedingungen des Strafvollzugs blieben hart – und sind es in den meisten Nachfolgestaaten der Sowjetunion bis heute. 9 Die monströsen Dimensionen des GULag wurden jedoch nach Stalins Zeit nicht einmal annähernd wieder erreicht.

Doch auch wenn man die Geschichte des GULag in zeitlicher Dimension klar eingrenzen kann, ist die Frage nach Opferzahlen nicht leicht zu beantworten. Zunächst sei an dieser Stelle daran erinnert, dass es im sowjetischen Strafvollzug im Kontext des GULag nicht nur um politisch Missliebige ging, sondern auch um „gewöhnliche Kriminelle“ – selbstredend hatte auch die Sowjetunion ihre Diebe, Betrüger, Vergewaltiger und Mörder. Dass freilich auch bei „gewöhnlichen Kriminellen“ die Grenze zum Repressionsopfer fließend sein konnte, legen drastische Strafverhängungen für Kleindelikte nahe, etwa die Ahndung eines Lebensmitteldiebstahls mit fünf Jahren Arbeitslager. Doch auch jenseits solcher Überlegungen bleibt die Feststellung von Opferzahlen problematisch, sie hängt nicht nur von den zur Verfügung stehenden Materialien ab, sondern auch von Fragen der Berechnung. Man kann heute von etwa 18 Millionen Sowjetbürgern ausgehen, die zwischen 1929 und 1953 in Lager und Kolonien eingewiesen wurden. In Sondersiedlungen wurde zu Stalins Zeit insgesamt wohl an die 6 Millionen Menschen verbannt. Nicht eingerechnet sind hier etwa die ca. 4 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen, Verschleppten und Expatriierten des Zweiten Weltkrieges, die nach ihrer Befreiung zunächst in spezielle Überprüfungslager eingewiesen, dann nach etwa einem Jahr zu ca. 80 Prozent entlassen und zu 20 Prozent weiteren Zwangsmaßnahmen zugewiesen wurden.

Besonders schwierig ist die Frage nach den Todesopfern. Wer gehört dazu, wer nicht? Wie sind zum Tode führende Krankheiten oder entsprechende Folgewirkungen zu bewerten? Hingerichtet aufgrund eines Todesurteils wurden zwischen 1934 und 1953 wohl an die 800.000 Menschen. Wie viele Todesopfer im Kompetenzbereich des GULag zu verzeichnen sind, ist nicht einfach festzulegen, die Zahlen pendeln sich zwischen 1,5 und 2,8 Millionen ein. Wenn in einzelnen Publikationen von 12 oder gar 20 Millionen Todesopfern sowjetischer Gewaltherrschaft die Rede ist, so kann man solche Zahlen, wenn überhaupt, nur unter Einbeziehung aller Umstände erreichen, die in der Sowjetunion zu unnatürlichem bzw. verfrühtem Tod führten, also etwa mit den Toten des Bürgerkrieges und verschiedener Hungersnöte. Die Zahlenakrobatik sei hier nicht fortgeführt. Es sind in jedem Fall astronomische Zahlen an Menschen, denen die sowjetische Politik nicht das versprochene Wohlergehen, sondern Verderben oder Tod brachte.

Fragen der Aufarbeitung

Umso verwunderter reagiert man außerhalb Russlands und der anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion auf den Umstand, dass es mit der Aufarbeitung dieses schrecklichen Kapitels nicht allzu gut bestellt ist. Sicher, es gibt individuelle Aktivisten und Institutionen – an erster und herausragender Stelle ist hier die Gesellschaft „Memorial“ zu nennen –, die sich der Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors gegen die eigene Bevölkerung verschrieben haben und mit großem Engagement Verdienstvolles leisten. 10 Es gibt lokale Initiativen, etwa an den Stellen ehemaliger Lager, die gegen Verdrängung und Vergessen kämpfen. Denkmäler und Museen sind entstanden, Erinnerungen und Berichte erschienen, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen durchgeführt worden. Das offizielle Russland betrachtet solche Maßnahmen eher unbeteiligt, von staatlicher Seite gibt es bislang kaum Schritte zu einer intensiven Aufarbeitungskultur. Und auch in der Gesellschaft bilden diejenigen, die nachforschen, nachfragen und erinnern wollen, eine oftmals skeptisch beäugte Minderheit.

Woran liegt das? Es liegt sicher nicht nur daran, dass die Menschen in Russland und seinen Nachbarstaaten oft mit anderen, elementareren, v. a. materiellen Dingen des Lebens beschäftigt waren, die ihnen für historische Aufarbeitung wenig Energien ließen. Die Gründe sind komplexer. Der eklatante Unterschied in der Aufarbeitungsdichte im Vergleich zu den Verbrechen des Nationalsozialismus erklärt sich dadurch, dass die Sowjetunion andere historische Wege genommen hat. Anstelle eines vollständigen Zusammenbruchs und Neuanfangs gab es in der nachstalinistischen Sowjetunion eine grundsätzliche politische, kulturelle und ideologische Kontinuität zur Epoche des GULag. Dies hatte nicht nur zur Folge, dass ein etwaiger Aufarbeitungsbeginn um fast 50 Jahre verzögert wurde, da die politische Führung der Sowjetunion – bei aller Entstalinisierung – an einer kritischen Durchdringung der eigenen Vergangenheit kein Interesse hatte. Die Kontinuität des Sowjetsystems hatte auch zur Folge, dass die Stalin-Zeit für viele Menschen schlichtweg „normaler Teil“ ihrer Vergangenheit wurde, eine Zeit, zu der es keinen moralischen Distanzierungszwang gab. In fast allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zählen Patriotismus und Nationalstolz sehr viel, dazu gehört auch Stolz auf und Identifikation mit der eigenen Vergangenheit. Gerade weil diese für den Einzelnen oft entbehrungsreich war, will man sich diese Vergangenheit nicht durch unangenehme Wahrheiten „kaputt reden“ lassen. Das Gedenken an die Stalin-Zeit ist in diesem Konzept dominiert vom Triumphgestus des Hitlerbezwingers Sowjetunion. Im Umkehrschluss bedeutet die Glorifizierung des Sieges im Zweiten Weltkrieg, dass Stalin sowie die sowjetische Politik und Gesellschaft anscheinend nicht alles schlecht und falsch gemacht haben können. So ist letztlich bis heute die Haltung Chruschtschows, dass im Stalinismus viele schlimme Fehler passiert seien, der Kurs im Grundsätzlichen aber schon richtig gewesen sei, weit verbreitet. Für eine tief gehende Auseinandersetzung mit den Schrecken und Ungerechtigkeiten jener Zeit ist unter diesen Voraussetzungen wenig Platz. Daher gibt es für Geschichtsforschung und Geschichtsvermittlung in Russland nach wie vor viel zu tun.

Fußnoten:

  1. Aleksandr I. Solzhenitsyn [Solženicyn]: The Gulag Archipelago 1918-1956. An Experiment in Literary Investigation. New York 1974. (Deutsche Ausgabe ebenfalls 1974). 

  2. Die Ausführungen zum GULag folgen vornehmlich Anne Applebaum: GULAG. A History. New York 2003; dies. (Hrsg.): Gulag Voices. An Anthology. New Haven 2011; Steven A. Barnes: Death and Redemption. The Gulag and the Shaping of Soviet Society. Princeton 2011; Oleg V. Chlevnjuk: The History of the Gulag. From Collectivization to the Great Terror. New Haven 2004. Weitere Hinweise finden sich in der Rubrik „Bücher“ in vorliegendem Heft (S. 159 der gedruckten Ausgabe). 

  3. Die Russische Sozialdemokratie hatte sich 1903 in zwei Flügel gespalten, auf dem entscheidenden Parteitag waren die Radikalen in der Mehrheit, die Gemäßigten in der Minderheit geblieben. Hieraus resultierten die Gruppen der Bolschewisten (russ. Bol’ševiki, Mehrheitler) und der Menschewisten (russ. Men’ševiki, Minderheitler). 

  4. VČK: Vserossijskaja Črezvyčajnaja komissija po bor’be s kontrrevoljuciej i sabotažem pri SNK SSR („Allrussische Außerordentliche Kommission zum Kampf mit Konterrevolution und Sabotage beim Rat der Volkskommissare der UdSSR“). Die VČK, oft auch nur „ČK“ (Tscheka) war die erste sowjetische geheimpolizeliche Organisation. 1922 wurde sie umstrukturiert in die GPU (Glavnoe političeskoe upravlenie pri NKVD RSFSR, „Politische Hauptverwaltung beim Volkskommissariat des Inneren der Russischen Föderativen Sowjetrepublik“), 1923 wurde, nach der Erweiterung Sowjetrusslands zur aus mehreren Republiken bestehenden Sowjetunion daraus die OGPU (Ob’edinennoe Glavnoe političeskoe upravlenie pri SNK SSSR, „Vereinigte Politische Hauptverwaltung beim Rat der Volkskommissare der UdSSR“). Sie existierte bis 1934, als eine erneute organisatorische Umstrukturierung der Innen- und Polizeibehörden stattfand. 

  5. Zur allgemeinen Geschichte der Sowjetunion vgl. Helmut Altrichter: Kleine Geschichte der Sowjetunion. München. 3. Aufl. 2007; Manfred Hildermeier, Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates, München 1998; Dietmar Neutatz: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert. München 2013. 

  6. Die Einordnung des GULag in Transformations- bzw. Formungsanliegen der sowjetischen Politik gegenüber der Gesellschaft zuletzt sehr überzeugend bei Steven A. Barnes: Death and Redemption. The Gulag and the Shaping of Soviet Society. Princeton 2011. 

  7. Vgl. dazu Anm. 2, oben S. 83. 

  8. Bildmaterial findet sich z. B. unter ­http://de.wikipedia.org/wiki/Perm-36_Gulag-Museum (letzter Zugriff: 30.10.2017). 

  9. Vgl. dazu den Beitrag von Caroline von Gall in vorliegendem Heft. 

  10. Siehe dazu etwas den Band GULAG. Spuren und Zeugnisse 1929-1956. Hrsg. v. von Volkhard Knigge und Irina Scherbakowa. Weimar 2012. 

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Gulag Kengirskoje




Vor 65 jahren, am 16. Mai 1954, brach eine der mächtigsten und tragischsten aufstände in sowjetischen lagern. Seine geschichte ist weithin bekannt, auch dank dem berühmten werk von alexander solschenizyn «der archipel gulag». Die wahrheit, solschenizyn war geneigt, etwas zu schüren und zu dramatisieren, aber etwas zu verschweigen.

Aber in jedem fall, der aufstand, von dem weiter unten diskutiert wird, ist in die geschichte eingegangen vaterländischen тюремно-lagersystems, wie eine ihrer dramatischsten seiten. Wie bekannt, in den 1930er – 1950er jahren ein bedeutender teil der sowjetischen lager, einschließlich der lager für politische gefangene, befand sich hinter dem ural in sibirien und in kasachstan. Die endlosen steppen kasachstans und seinen harten, ungewöhnlich für diejenigen, die aus mittel-streifen und im süden das klima machten sein territorium, wie es die sowjetischen führer, die geeignete unterkunft für ferienlager.

степлаг und bau dzhezkazgan

степлаг (steppen-lager), oder sonderlager nr. 4 für die politischen gefangenen, befand sich im zentralen kasachstan, in der umgebung der heutigen stadt schesqasghan (in der sowjetzeit – джезказган).

Heute ist es – kasachstan karaganda region, in der die zhezkazgan trat nach der abschaffung im jahr 1997 жезказганской bereich.
Das zentrum степлага wurde die siedlung кенгир, und wo befand sich die lageradministration. Степлаг war kampieren junge, die bereits nach dem krieg auf der basis джезказганского kriegsgefangenenlager № 39. In der zusammensetzung степлага zu 1954, gehörte 6 camp-büros in den dörfern rudnik джезказган umschlagplatz кенгир, krestovsky, джезды und теректы.

Bis 1953 in степлаге enthalten 20 869 häftlinge, aber bis 1954 — 21 090 gefangenen. Die zahl der gefangenen wuchs durch die reduzierung озерлага (osoblaha № 7) im bereich тайшета – bratsk. Häftlinge aus озерлага übersetzten in степлаг. Etwa die hälfte der gefangenen степлага waren WestUkrainer, einschließlich der mitglieder der ukrainischen nationalistischen organisationen und kriminellen untergrund.

Es gab viele letten, litauer, esten, weißrussen, polen und deutschen --- teilnehmer коллаборационистских und nationalistischen organisationen. Aber im allgemeinen im lager vorgestellt wurde nahezu die gesamte nationale palette der sowjetunion – wurden tschetschenen und mit ингушами, armenier, usbeken, turkmenen und sogar türken, afghanen und mongolen. Die russen waren über 10% der gesamtzahl der gefangenen, unter ihnen dominierten die verurteilten für die zusammenarbeit mit nazi-besatzungsmacht, die in der russischen befreiungsarmee und anderer коллаборационистских formationen. Die gefangenen степлага gebracht haben, um die arbeit für die gewinnung von kupfererz und mangan, für den bau unternehmen in der stadt dzhezkazgan (ziegelei, bäckerei, obogatitelnoy die fabriken, wohnhäuser und andere objekte).

Die gefangenen arbeiteten und auf den kohlengruben in baikonur und ekibastus. Chef степлага von 1948 bis 1954, war oberst alexander alexandrowitsch чечев, vor der ernennung zum posten bekleidend das amt des stellvertreters des ministers für innere angelegenheiten der litauischen ssr – gefängnis-chef der abteilung des ministeriums (1945-1948), und davor der gefängnissen und lagern der tadschikischen ssr, tomsker besonderen gefängnis des nkwd der udssr.

voraussetzungen zum aufstand der gefangenen

im jahr 1953 wurde nicht von josef wissarionowitsch stalin. Für einige bürger des landes, und diese waren die mehrheit, der tod des führers war eine echte persönliche tragödie. Aber ein bestimmter teil der bewohner des landes, und dazu gehören natürlich waren politische gefangene, rechnete auf die liberalisierung des politischen kurses.

Die gefangenen hofften, dass der modus wird weicher inhalt. Aber die aufweichung des regimes stattgefunden hat nicht in allen gefängnissen und lagern, umso mehr, wenn man über sibirien und kasachstan. In степлаге aufträge blieben unter strengsten. Es ist interessant, dass einer der gründe für eine noch größere verschlechterung der beziehungen der verwaltung des lagers und des schutzes zu den häftlingen, die gerade geworden neuerungen in der verwaltung der sowjetischen тюремно-lager-system, folgten nach dem tod stalins.

So, offizieren lager verwaltung zogen die zusatzkosten für den titel, kursierten gerüchte über eine mögliche verringerung der anzahl an lagern und staaten im gefängnis wachen, dass würde die arbeitslosigkeit unter den gefängniswärter, von denen viele nichts verstanden, außer wie die gefangenen bewachen. Es ist natürlich, dass die wachen озлоблялись und ihre unzufriedenheit вымещали auf die gefangenen, das wohl die letzten waren, benachteiligte.
Existierte in den lagern ordnung, nach dem wachmann, застреливший oder mehreren gefangenen die gefangenen bei fluchtversuch, urlaub und bekam die auszeichnung führte zu einem anstieg bei der anzahl der morde an gefangenen bewachten. Manchmal wachen nutzten jede gelegenheit, um zu starten schießen auf die gefangenen.

In степлаге ermordung von häftlingen waren an der tagesordnung, aber schließlich gab es einen fall, das war der «letzte strohhalm» für viele tausende von truppen verurteilt. Zumal die letzten waren sehr aufgeregt gerüchte über zukünftige erleichterung verhandeln regime und forderten einen freien zugang in die weibliche zone — für fleischliche genüsse.

schuss stündigen калимулина und seine folgen

15. Mai 1954 im dorf кенгир den kalimulin, getragen vithia für den schutz des lagers, erschossen platzt der maschinenpistole auf die gruppe der gefangenen, die versuchten, zu durchbrechen, die mit dem territorium der bereiche in der männliche teil den weiblichen teil des lagers. Als folge der schüsse des wächters starben 13 menschen, 33 wurden verletztmensch, noch 5 später von den bekommenen wunden gestorben.

Mord verurteilte den wachen trafen sich zuvor, aber nicht mit so vielen opfern. Deshalb schüsse stunden und gesetzmäßig verursacht empörung unter den gefangenen. Hier muss man bemerken, dass die lager-masse in степлаге war nicht so harmlos. Einen erheblichen teil der verurteilten bildeten die eheMaligen bandera, «wald-brüder», власовцы, die erfahrung der teilnahme in militäreinsätzen. Im grunde genommen, zu verlieren hatten sie nichts, denn viele von ihnen wurden zum tode verurteilt, 25 jahren haft verurteilt, was in rauen umgebungen lagern tatsächlich bedeutete das todesurteil.

Am nächsten tag die gefangenen-männer zerstörten zaun, teilen männliche und weibliche teil des lagers. In der antwort der verwaltung des lagers angeordnet haben, um eine verbindung zwischen diesen beiden teilen zonen waffenaufstellungen. Aber diese maßnahme nicht helfen konnte. Selbst der aufstand begann am 18.

Mai 1954. Mehr als drei tausend gefangenen nicht verlassen am morgen auf zivildienst. Надзирательский zusammensetzung des lagers war gezwungen, zu fliehen von wohngegenden, verstecken sich in bürogebäuden. Dann die rebellen beschlagnahmten ware duffel und lagerhallen, werkstätten, 252 befreit gefangene, die in straf-baracke und in untersuchungshaft.

So, tatsächlich war das lager unter der kontrolle der gefangenen. Die rebellen forderten die ankunft der regierungskommission und eine sorgfältige untersuchung der umstände der erschießung der gefangenen stunden-калимулиным und in der regel verletzungen und missbräuche der verwaltung степлага.

die rebellen haben eine parallele macht im camp

19. Mai die gefangenen bildeten eine kommission für die führung der revolte, in deren bestand vom 1.

Lager-punkt – liebe бершадская und maria shimanskaja, ab dem 2. Lager -, absatz – semjon чинчаладзе und вагаршак батоян, vom 3. Lager-punkt – capito kuznetsov und alex makeev. Dem vorsitzenden der kommission gewählt capito kusnezow. Der teilnehmer des aufstands in кенгирском lager die liberalen versuchen, sich vorzustellen, unschuldigen opfern der stalinschen repressionen.

Vielleicht gab es auch solche. Aber um eine vorstellung zu bekommen, wer верховодил den aufstand, werfen wir einen blick auf die biographie seines führers capito kuznetsova. Der eheMalige oberstleutnant der roten armee, schmiede erhielt eine haftstrafe dafür, dass während des krieges wechselte auf die seite der nazis und diente nicht nur nazis, sondern übernahm das amt des kommandanten des lagers für kriegsgefangene, die unter dem kommando антипартизанскими operationen. Wie viele menschen starben von den händen der polytsaya kusnezow und seine untergebenen? es ist nicht ausgeschlossen, dass nicht weniger als während der unterdrückung der lagerhaft des aufstands.

Die rebellen gefangene sofort bildeten eine parallele führungsstruktur, die nicht vergessen haben zu markieren, abteilung sicherheit, detektivbüro, kommandantur und selbst ihr eigenes gefängnis. Es gelang ihnen, erstellen sie ihr eigenes radio machen dynamo-maschine, снабжавшую lager strom, da die verwaltung keine zentrale versorgung. Propaganda-abteilung leitete jurij кнопмус (auf dem foto) – der 39-jährige eheMalige mitarbeiter, die während des krieges in der deutschen feldgendarmerie. Im kapitel «spionageabwehr» lieferten engels (gleba) слученкова – eheMaligen власовца, подпрапорщика roa, der einst leutnant der roten armee, ging auf die seite der nazis.

Power-unterstützung des aufstands geworden schlagzeug abteilungen, формировавшиеся aus relativ jungen und gesunden eheMaligen bandera, sowie gesellte sich zum aufstand verbrechern. Die einzige gruppe von häftlingen, nicht die rebellion, waren die «zeugen jehovas» aus moldawien – etwa 80 personen. Wie sie wissen, die religion verbietet ihnen jede gewalt, einschließlich der bekämpfung der behörden. Aber «opfer der repression», über die heute so rührend erinnern sich an die liberalen, nicht bereut «zeugen jehovas», nicht stahl gehen in die feinheiten ihrer religion, und trieben die gläubigen pazifisten im äußersten baracke in der nähe von torhaus, um im falle des sturms konvoi truppen перестреляли sie zuerst. Sobald die führung des lagers berichtete, die behörden über den aufstand, der in karaganda кенгир war verstärkungen aus 100 soldaten.

Für verhandlungen mit den rebellen in das lager fuhren der stellvertretende chef des gulag des ministeriums von inneren angelegenheiten der udssr general-leutnant victor schauspieler ai bochkov und der minister von inneren angelegenheiten der kasachischen ssr der general-der major Vladimir gubin. Als ergebnis der verhandlungen die gefangenen versprochen, 20. Mai um die unruhen zu stoppen. 21.

Mai die reihenfolge in степлаге wurde restauriert, aber nicht für lange.

neuer aufstand

25. Mai gefangenen wieder nicht zur arbeit kommen, verlangt die bereitstellung von gefangenen das recht auf einen freien aufenthalt in bereichen arbeiten zusammen mit ihren familien, erlauben freie kommunikation mit der weiblichen zone, verkürzen die strafe für die verurteilten zu 25 jahren haft verurteilt, die freigabe der gefangenen 2 mal in der woche in die stadt. Dieses mal auf verhandlungen mit den rebellen kamen selbst der stellvertretende minister für innere angelegenheiten der udssr general-der major sergey egorov und der leiter der hauptverwaltung der lager generalleutnant ivan langer.

Vertreter der rebellen trafen sich mit der moskauer delegation und stellten eine reihe von forderungen, einschließlich der ankunft im camp sekretärs des zk. Der chef der gulag-general lange, geht in den gefangenen, die verordnete zur entladung von positionen die für den einsatz von waffen vertretern der administration. Die verhandlungen dauerten ausgestreckt mehr als einen monat. Da in der öffentlichkeit ist eine großedie anzahl der informationen über den verlauf der verhandlungen, über die aktionen der konfliktparteien, es macht keinen sinn, ins detail zu gehen.

unterdrückung кенгирского aufstand

einen monat nach dem beginn der verhandlungen, 20. Juni 1954, minister für bau der betriebe der hüttenindustrie der udssr i. D. Raiser und der minister für metallurgie der buntmetalle der udssr p.

F. Lomako verhaftet schickte ein memo im ministerrat der udssr, in dem ausdruck der unzufriedenheit über die unruhen in степлаге, da wegen ihnen brach der zeitplan der erzgewinnung in anführungszeichen. Danach der vorsitzende des ministerrates der udssr g. W.

Malenkow an den minister von inneren angelegenheiten der udssr general-der oberst sergey kruglov mit der forderung, die ordnung im lager.


24. Juni zu einer zone angekommen truppen, einschließlich 5 t-34-panzer aus der 1. Division der inneren truppen des innenministeriums der udssr.

Bei 03:30 26. Juni im wohnbereich des lagers wurden einheiten der armee, marschierten panzer, flohen kämpfer der sturmabteilungen mit maschinengewehren. Die gefangenen leisteten erbitterten widerstand, aber die kräfte der parteien waren natürlich ungleich. Bei der erstürmung des lagers und der niederschlagung des aufstandes starben 37 gefangenen, noch 9 von den wunden gestorben.

Die anführer der rebellion ivashchenko, «keller», кнопмус, schmiede, ryabov, скирук und слученков wurden zum tode verurteilt, jedoch скируку und kusnezow die todesstrafe ersetzt die langen lieferzeiten ergebnisse. Im jahr 1960, fünf jahre nach der urteilsverkündung, capito kuznetsov entlassen wurde. Dies ist die frage der «grausamkeit» der sowjetmacht.






 




https://www.sachsenhausen-sbg.de/geschichte/1945-1950-sowjetisches-speziallager/

 

 

 

1945-1950 Sowjetisches Speziallager

 



 

 

 

 




Entnazifizierung

Im Zusammenhang mit der alliierten Entnazifizierungspolitik richtete die sowjetische Besatzungsmacht nach der militärischen Niederschlagung des NS-Regimes in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zehn Speziallager ein. Das Speziallager Nr. 7 (seit 1948 Nr. 1) in Sachsenhausen war mit 60.000 Häftlingen das weitaus größte dieser Lager. 12.000 Menschen starben hier in der Zeit von 1945 bis 1950 an Hunger und Krankheiten. Insbesondere die Herabsetzung der ohnehin knappen Rationen führte im "Hungerwinter" 1946/47 zu einem regelrechten Massensterben.

"Spezkontingent"

Das Speziallager Sachsenhausen war durch die Unterschiedlichkeit der Inhaftierten und die Multifunktionalität, die das Lager aus sowjetischer Perspektive hatte, gekennzeichnet. Mit rund 30.000 Menschen stellte das "Spezkontingent" den größten Anteil der Häftlinge, der in der "Zone I" des Lagers untergebracht war. Diese Häftlinge waren nach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens als Angehörige des NS-Machtapparates präventiv verhaftet und über Jahre ohne formelles Gerichturteil eingesperrt worden. Unter ihnen befanden sich vor allen Dingen untere und mittlere NS-Funktionäre, aber auch Angehörige von SS, Gestapo oder KZ-Wachmannschaften und Mitarbeiter von Ministerien und Behörden. Zur Gruppe der Internierten zählen auch einfache Mitglieder von NS-Jugendorganisationen, politische Gegner und willkürlich Verhaftete.

SMT-Verurteilte

Die zweitgrößte Gruppe waren mit rund 16.000 Personen die SMT-Verurteilten, von denen die weitaus meisten wegen angeblichen Widerstandes gegen die Besatzungsmacht in schauprozessartigen Verfahren nach brutalen Verhören und oft unter Folter erpressten Geständnissen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden waren. Die SMT-Verurteilten wurden, abgetrennt von den Internierten, in der "Zone II" gefangen gehalten.

Wehrmachtsoffiziere

Dort waren zuvor rund 6.500 Wehrmachtsoffiziere untergebracht, die bereits aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden waren und im Herbst 1946 in sowjetische Lager deportiert wurden.

Sowjetbürger

Schließlich waren im Speziallager Sachsenhausen mehr als 7.000 Sowjetbürger und russische Emigranten inhaftiert - sowjetische Kriegsgefangene, ehemalige Zwangsarbeiter und straffällig gewordene Rotarmisten. An der Unterschiedlichkeit der Häftlingsgruppen und der Multifunktionalität der Speziallager wird erkennbar, dass sie aus der Sicht der sowjetischen Besatzer nicht nur ein Instrument der Säuberung Deutschlands von den Nationalsozialisten waren, sondern vor allem auch dazu dienten, das sowjetische Machtmonopol durch präventive Verhaftungen, abschreckende Willkür und politische Verfolgung durchzusetzen.

Haftbedingungen

Nach den Erfahrungen in den provisorisch eingerichteten Gefängnissen und den brutalen Verhören hofften die meisten Häftlinge bei der Ankunft in Sachsenhausen auf bessere Haftbedingungen. Zwar boten die baulichen Einrichtungen des Lagers bessere Unterbringungsmöglichkeiten, doch waren die Baracken meistens überbelegt. Die Häftlinge schliefen häufig dicht gedrängt auf blanken Holzpritschen. Die katastrophalen hygienischen Verhältnisse, Mangel an Nahrung und Medikamenten, Kleidung und Heizmaterial führten zu Krankheiten, Epidemien und Massensterben, das 1947 seinen Höhepunkt erreichte. Wegen der fast vollständigen Isolation von der Außenwelt hießen die Speziallager auch „Schweigelager“. Sie waren keine Arbeitslager. Nur wenige Häftlinge konnten in Arbeitskommandos der Tatenlosigkeit und Monotonie des Barackenalltags entrinnen. In der Erinnerung der Zeitzeugen waren gerade Untätigkeit und Langeweile besonders zermürbend.

Entlassungen und Auflösung

Bei einer Entlassungswelle im Sommer 1948 wurden 5.062 Internierte, die von einer Kommission des sowjetischen Geheimdienstes als „minderbelastet“ eingestuft worden waren, entlassen. Bei der Auflösung des Lagers im Frühjahr 1950 wurden 1.902 Internierte und 5.151 SMT-Verurteilte entlassen. 4.836 Häftlinge des Speziallagers Sachsenhausen übergab der NKWD zur weiteren Haftverbüßung an die Behörden der DDR. 721 bisher nicht verurteilte Interniert ließ die DDR-Justiz in das Gefängnis Waldheim verlegen. In einer Serie von Geheim- und Schauprozessen, die unter Aufsicht der SED-Führung stattfanden, wurden die meisten Angeklagten wegen der ihnen zur Last gelegten Kriegsverbrechen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Massengräber

Die Toten des Speziallagers wurden in drei Massengräbern am so genannten Kommandantenhof, in der Gemarkung „An der Düne“ und im Schmachtenhagener Forst anonym verscharrt. Die Grabstätten wurden Anfang der 1990er Jahre als Friedhöfe gestaltet. Am Friedhof am Kommandantenhof, dem Gedenkort für die Opfer des Speziallagers, können Angehörige individuelle Namenstafeln für ihre Verstorbenen niederlegen. 2010 hat die Gedenkstätte ein Totenbuch mit den Namen der 11.890 Toten des sowjetischen Speziallagers Nr. 7 / Nr. 1 in Weesow und in Sachsenhausen veröffentlicht.






 

 

 






Erinnerungen an russische Straflager
"25 Jahre, das überstehst du nicht"

 

Die meisten Soldaten, die 1955 noch in Russland festsaßen, waren von sowjetischen Militärtribunalen verurteilte Kriegsverbrecher. Ihre dauerhafte Inhaftierung und der Einsatz als Zwangsarbeiter waren völkerrechtswidrig. Sie wurden in Scheinverfahren verurteilt, ohne Anwalt und Beweisaufnahme.

 

 

Unter den Soldaten waren solche, die sich tatsächlicher Kriegs- und NS-Verbrechen schuldig gemacht hatten. Andere eben nicht. Doch auch sie sind als Folge des deutschen Überfalls auf Russland in Gefangenschaft geraten. Im Laufe eines Krieges, der 27 Millionen sowjetische Bürger das Leben kostete. „Das hilft den Betroffenen nicht, es macht ihr Schicksal nicht leichter“, sagt der Historiker Andreas Hilger, der sich seit vielen Jahren mit den deutsch-sowjetischen Beziehungen beschäftigt. „Aber das muss immer mitgedacht werden.“ Die Menschenrechtsverletzungen relativiert das freilich nicht.

 

 

Während andere Männer in seinem Alter heirateten, Arbeit fanden und zum ersten Mal Urlaub im Ausland machten, war Minkenberg eingesperrt, verängstigt, hoffnungslos. „25 Jahre. Die Zahl ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, sagt er. „25, das überstehst du nicht. Das nicht.“

"Wir sind fast verrückt geworden vor Angst"

 

 

Seine Haft begann mit einer Bahnfahrt. 120 Mann in einem Waggon, Stacheldraht vor Lüftungsschlitzen. Morgens und abends hielt der Zug, die Bewacher klopften Böden, Wände und Decken des Zuges ab auf der Suche nach gelösten Brettern, die eine Flucht ermöglichen könnten. „Bumm, bumm, bumm“, sagt Minkenberg. „Das war furchtbar, es hat gedröhnt von allen Seiten. Wir krümmten uns. Es war, als würden sie einem mit dem Hammer gegen Kopf oder Rücken schlagen.“ Einmal am Tag wurden die Gefangenen gezählt. Dafür mussten sie von einer Waggonseite zur anderen laufen und bekamen ihre Tagesration Brot zugeworfen. Wer beim Fangen danebengriff, hungerte. „Von draußen schienen Scheinwerfer rein, Hunde bellten, die Posten brüllten“, erzählt Minkenberg. „Wir sind fast verrückt geworden vor Angst.“

 

 

Sein ganzer Körper krümmt sich jetzt nach vorn. Wenn Minkenberg redet, redet alles an ihm. Seine Augen sehen längst vergangene Bilder, seine Hände formen sie. Er schüttelt den Kopf, zuckt mit den Schultern, runzelt die Stirn. Manchmal verliert er sich in der Zeit, springt zurück, fängt sich wieder ein. „Jedenfalls“, sagt er in diesen Augenblicken.

 

 

Knochenarbeit bei minus 60 Grad - aber das Leben war stärker

 

 

„Jedenfalls sind wir irgendwann in Workuta angekommen.“ Workuta. Sibirien. Die Gefangenen förderten Kohle, Lehm und Kies, bis zu zwölf Stunden am Tag. Workuta war eines der berüchtigtsten Straflager. Gebaut auf Erde, die nie auftaut. Die Temperaturen gingen auf sechzig Grad unter null. Eisstürme. Hunger. So viele Tote, dass keiner die genaue Zahl kennt. Die Hölle, nur zugefroren.

 

 

„Da hab ich manchmal aufgegeben“, sagt Minkenberg, flüstert es fast. „Ich war so schlapp, konnte kaum noch laufen.“ Jeden Tag auf dem Marsch zur Kiesgrube kam er an einer Schneewehe vorbei. Für ihn sah sie aus wie ein Kunstwerk, so schön, so friedlich. „Wenn ich erniedrigt und hoffnungslos war, habe ich gedacht, an dieser Stelle machst du Schluss. Hier springst du aus der Kolonne, ein kurzer Moment, dann schlagen die Kugeln ein, dann bist du weg“, erzählt er. Aber jedes Mal waren da auch die anderen Gedanken. An die Mutter, die Geschwister, die Heimat. Die Hoffnung, doch noch einmal rauszukommen. Das Leben war stärker.

 

 

„Wir haben im Asbest gelebt, mittendrin, zweieinhalb Jahre lang“

 

 

Nach zweieinhalb Jahren kam Minkenberg nach Stalingrad, er sollte beim Wiederaufbau helfen. „Nach gut einem halben Jahr wieder in den Zug“, berichtet er. Das Ziel war Asbest im Ural. „Ein grauer Ort. Die Häuser grau. Die Bäume grau. Alles grau, grau, grau“, erzählt Minkenberg. „Manchmal haben wir Sonne gesehen, sonst hing ein Staubnebel über der Stadt.“ Er spricht mit gedämpfter Stimme. „Wir hatten Asbeststaub in den Haaren, wir haben das Zeug eingeatmet. Wir haben im Asbest gelebt, mittendrin, zweieinhalb Jahre lang.“

 

 

Immerhin durften die Gefangenen Karten verschicken, für ihre Familien zu Hause das erste Lebenszeichen seit Jahren. Minkenbergs Mutter war gestorben, aber seine vier Geschwister lebten. Eine Schwester schickte ihm Pakete. „Da waren delikate Sachen drin“, erzählt Minkenberg. Er lacht. „Meine erste Schokolade, ich habe sie in der Hand gehalten, angeschaut, immer wieder. Ich habe lange gebraucht, um nur ein Stück zu essen.“

"Was blieb, war die Sehsucht nach der Heimat"

 

 

Die Pakete, ein vorsichtiges Zeichen, dass sich die Welt änderte. Nach Stalins Tod schlug die Sowjetunion innen- und außenpolitisch einen neuen Kurs ein. Russland begann, verurteilte Kriegsgefangene freizulassen, und Minkenberg kam in ein neues Lager, Nähe Swerdlowsk, heute Jekaterinburg. Dort, sagt er und lächelt, habe er die schönste Zeit der Gefangenschaft erlebt. Er arbeitete als Sanitäter, lachte wieder. Die Zeit des Hungerns war vorbei, er verdiente etwas Geld. „Was blieb, war die Sehnsucht nach der Heimat.“

 

 


Andreas Freund

https://vimeo.com/183122474

https://www.youtube.com/user/laika11000

 

Hubertus Knabe


 https://hubertus-knabe.de


Zeitzeugenbüro 

Stiftung Aufarbeitung der SED Diktatur

Portal


 


 


http://www.zeitzeugenbuero.de


 

Iska Schreglmann


Iska Schreglmann, zu einer sehr guten Freundin geworden, führte als Journalistin die Recherchen für die Reportage "Spurensuche, ich war im Kinderknast von Torgau" sowohl über meinen Leidensweg, als auch meine damit verbundene Geschichte über meine Haft im GJWH Torgau.




Gedankensteine II

Hrsg.

Sabine Schwiers

B.Kühlen Verlag  

 

 

 

 

http://www.thalia.de/shop/home/rubrikartikel/ID44141115.html?ProvID=

11000522 


 

   https://www.amazon.de/Gedankensteine-II-Erfahrungen-Zeitzeugen-erz%C3%A4hlen/dp/3874484580


 

 

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 

 


 Thomas Gast


https://www.amazon.de/INDOCHINA-lange-nach-Dien-Bien-ebook/dp/B0761NY31Y  
   



IG-ehemaliger-politischer-häftlinge-der-DDR

 

 


(Seite befindet sich im Aufbau)

 

 

https://www.ig-ehemaliger-politischer-häftlinge-der-ddr.de




DIH 

 

Deutsches Institut für Heimerziehungsforschung

 

 

 

 

  http://www.jahrhundertkind.de/de/

 

Der Onlineauftritt des DIH- Deutschen Instituts für Heimerziehung ist ab sofort unter diesem link zu erreichen: http://www.jahrhundertkind.de/de/

 

 

Damit wir nicht vergessen. Erinnerung an den Totalitarismus in Europa

 

 

 

 

 

http://www.memoryandconsc

ience.eu/book-version/damit-wir-nicht-vergessen-erinnerung-an-den-totalitarismus-in-europa/

 

 

 

 

 

 

Deutschlands Querfront: Stasi und die Terroristen




http://linksfaschisten.blogspot
.de/2016/01/1-deutschlands-querfront-antifa-und.html


 

Stiftung für ehemalige politische Häftlinge Hauptadresse

An der Marienkapelle 10 53179 Bonn,

Nordrhein-Westfalen Deutschland  

 

Telefon Zentrale: 0228-368937-0  

Fax: 0228-36893-99

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  http://info@stiftung-hhg.de

 

 

VOS – Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. Gemeinschaft von Verfolgten und Gegnern des Kommunismus e.V.

 

 

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328 – Mario Röllig

 

Förderverein Gedenkstätte Berlin- Hohenschönhausen


 

Ein Buch, dass so beeindruckend und auf dem Punkt geschrieben ist, dass es sogleich poetisch und so stechend ist, dass es für ehemalige politische Häftlinge ziemlich schwer zu verdauen ist. Es hat mich zutiefst beeindruckt und ich kann es nur jedem wärmstens empfehlen, der sich für die Abgründe der der menschlichen Psyche und DDR- Geschichte interessiert. Es ist jeden Cent wert.


 

Paul Brauhnert - Tiere in Menschengestalt Die Anatomie eines Mythos. Militärstrafvollzug Schwedt. Ein Bericht mit Illustrationen Mit neun Illustrationen und einem Lageplan aus der Hand des Autors

 

 

 

 

 

 


 

 

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